An die an der Bundestagswahl 2017 teilnehmenden Parteien:

 


Sehr geehrte Damen und Herren,

heute habe ich dem Bundesfinanzministerium einen Vorschlag zur Vermeidung von Bürokratiekosten unterbreitet, der dort wahrscheinlich nicht beachtet wird. Bereits am 05.03.17 habe ich dort über einen Vorgang informiert, dass der Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz in seinem Jahresbericht die Hochschule Mainz dafür kritisiert hat, dass sie Umsatzsteuer richtig erhoben und abgerechnet hat statt mit illegalen Tricks diese Steuern zu hinterziehen. Mit dem vom Landesrechnungshof geforderten Verfahren hätte sich das Land Rheinland-Pfalz zu Lasten der anderen Länder und des Bundes ungerechtfertigt bereichert. Auf meine Website https://prof-dr-mueller.jimdo.com/thema/steuerhinterziehung-durch-landesrechnungshof/ wird verwiesen. Diese Mitteilung hat zu keinerlei Reaktion geführt.

Ich gehe deshalb davon aus, dass auch diesmal niemand reagieren wird. Besonders die nicht an der Regierung beteiligten Parteien könnten dieses überhebliche Verhalten sowie den leichtfertigen Umgang mit dem Geld der Bürger in ihrem Wahlkampf verwenden. Darüber müssen Sie natürlich selbst entscheiden. 

Mit der Verwendung dieser e-mail-Adresse will ich gleichzeitig auf die mit meiner Seite https://www.noteninflation.de/ und meinen Aufruf „Bleiben wir anständig!“ aufmerksam machen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Werner Müller

 



Poststelle@bmf.bund.de

Vermeidung von Bürokratiekosten

   
Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit verschiedenen Vorschriften zur elektronischen Bilanz, elektronischen Steueranmeldungen und elektronischen Betriebsprüfungen nach "amtlich vorgeschriebenen digitalen Schnittstellen" werden besonders die 3,5 Mio. Klein- und Kleinstunternehmen gezwungen, die Dienste von Steuerberatern in Anspruch zu nehmen, weil sich der Kauf teurer Software mit den amtlich vorgeschriebenen digitalen Schnittstellen und die Beschäftigung qualifizierten Personals für ihre Bedienung nicht lohnen würde. Diese Aufgaben belasten schon jetzt die mittelständische Wirtschaft mit Bürokratiekosten von ca. 4,5 Mrd. € für Rechnungswesen (die Kontrolle der Zahlungseingänge für ausgehender Rechnungen und die Bezahlung eingehender Rechnungen ist darin nicht enthalten), 5,4 Mrd. € für die Erstellung von Jahresabschlüssen, die nur für ca. 160.000 Kleinunternehmen (= 4,6 %) kein bloßer Ausdruck aus der Buchhaltungssoftware sind, 2,0 Mrd. € für betriebliche Steuererklärung, die die Steuerberater ebenfalls nur aus der Buchhaltung ausdrucken und 1,6 Mrd. € für Lohnabrechnungen (die Kosten für andere Rechenzentren wurden nicht berücksichtigt); zusammen also mit ca. 13 Mrd. € jährlich (3.700 €/KMU), was 72 % des Steuerberaterumsatzes ausmacht*; mit weiteren Steigerungen ist zu rechnen. Es kann aber nicht die Aufgabe der Regierung sein, einseitig eine Branche (hier die Steuerberater) mit solchen Arbeitsbeschaffungsprogrammen zu fördern und die übrige Wirtschaft mit deren Kosten zu belasten. Kosteneinsparungen im Mittelstand würden über höhere Gewinne, die anders als bei multinationalen Konzernen nicht in Steueroasen umgeleitet würden, zu Steuermehreinnahnen führen, die bei den angenommenen 13 Mrd. € Kostenreduzierung bei über 3 Mrd. € für den Fiskus führen würden.      

In einem Forschungsprojekt habe ich unter Laborbedingungen erprobt, wie Kleinunternehmen faktisch eine einfache Buchführung nach § 239 Abs. 4 HGB (nicht § 4 Abs. 3 EStG – was von Steuerberatern als einfache Buchführung bezeichnet wird) ohne Investitionen und Fachkenntnisse mittels Tabellenkalkulation unterhalten können, ihre Daten aber über eine Website eines Dienstleisters hochladen und in eine leistungsfähige Buchhaltungssoftware übertragen lassen, von der ihren dann die gewünschten Auswertungen zugeschickt werden. Damit würden sie weitaus bessere Leistungen als von einem Steuerberater für einen Bruchteil der Kosten bekommen können. Der Aufbau einer solchen Struktur wird aber vom Steuerberatermonopol behindert. 

Die Aussagen der Politik, mit der zusätzlichen Bürokratie (für die Unternehmen) Verwaltungsabläufe vereinfachen, Kontrolle verbessern und Steuerhinterziehung bekämpfen statt neue Kunden für die Steuerberater werben zu wollen, wären glaubwürdiger, wenn den Kleinunternehmen gleichzeitig ein unbürokratisches und kostengünstiges Verfahren zur Umsetzung dieser Anforderungen angeboten würde. Diese Lösung müsste nicht vom Steuerzahler finanziert werden. Würden alle 2,7 Mio. Einzelunternehmen und Personengesellschaften unter 50 Arbeitnehmer sowie alle 0,7 Mio. anderen Unternehmen unter 10 Arbeitnehmer das Angebot für eine Gebühr von 1 € monatlich nutzen, würde ein Jahresbudget von 40,9 Mio. € zur Verfügung stehen. Bereits ein Professor mit 3 wissenschaftlichen Mitarbeitern, der meine Forschungsergebnisse aufnehmen und fortführen würde, könnte mit Personalkosten von nur 250 T€ + 50 T€ Sachkosten jährlich eine Bibliothek von 1.000 Musterorganisationen für Klein- und Kleinstunternehmen aufbauen und pflegen, aus denen die Nutzer des Systems ihre für sie passenden Kopiervorlagen auswählen könnten. Damit würde den Unternehmen nicht nur bei der Erfüllung bürokratischer Pflichten, sondern auch bei der Gewinnung von Daten für die Unternehmensführung geholfen werden können (= Wirtschaftsförderung). Allerdings könnten dann nicht länger die Steuerberater auf Kosten des Mittelstandes mit 13 Mrd. € jährlich subventioniert werden.

...

Wegen den engen Beziehungen zwischen dem Finanzministerium und der Steuerberaterlobby gehe ich nicht davon aus, dass meine heutigen Hinweise von Ihnen beachtet, geschweige denn ernsthaft berücksichtigt werden. Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl werde ich diese Mitteilung deshalb auch an die politischen Parteien weiterleiten, die voraussichtlich an der Bundestagswahl teilnehmen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Werner Müller

 

 

zu den in dieser mail verwendeten Daten:


Unternehmen in Deutschland
                      0 bis 9         10 bis 49       50 bis 249      250 Beschäftigte
                  Beschäftigte    Beschäftigte    Beschäftigte    und mehr     Insges.
Einzel-
unternehmer    2.212.919    57.785          2.222               86        2.273.012
Personen-
gesellschaften
(zum Beispiel
OHG, KG)           393.602      50.211      12.251           2.702           458.766
Kapitalge-
sellschaften
(GmbH, AG)        496.133    137.666      37.322           8.761           679.882
Sonstige
Rechtsformen     198.413      27.888        7.118           2.247           235.666
Insgesamt       3.301.067    273.550       58.913        13.796        3.647.326

(Quelle: Statistisches Bundesamt zitiert nach https://de.statista.com/statistik/daten/studie/237346/umfrage/unternehmen-in-deutschland-nach-rechtsform-und-anzahl-der-beschaeftigten/, Abruf 28.04.17)

Umsatz der Steuerberater:
Hochrechnunmg    Anteile        Ø Umsatz    für 59.435 selbst. Steuerberater

Jahresabschlüsse    30 %          91.200        5.420.472.000
Rechnungswesen    25 %          76.000        4.517.060.000
betrieblichen
Steuererklärungen    11 %         33.440        1.987.506.400
Gehalts- und
Lohnabrechnungen    9 %          27.360       1.626.141.600
                            100 %        304.000    18.068.240.000